Available Light: Fotografieren, wenn das Licht knapp wird

Person am Fenster im weichen Gegenlicht

Sobald das Licht knapp wird, zeigt sich, ob jemand seine Kamera verstanden hat. Bei Sonnenschein funktioniert fast jede Automatik. In einer Kirche, in einer Bar oder am späten Nachmittag im Wohnzimmer muss entschieden werden, worauf man verzichtet, denn drei Wege führen zu mehr Helligkeit, und jeder kostet etwas.

Die drei Stellschrauben hängen zusammen

Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit bilden ein System, in dem sich jede Änderung ausgleichen lässt. Eine Stufe weiter geöffnete Blende erlaubt eine halb so lange Belichtungszeit. Eine Verdopplung des ISO-Werts ebenfalls. Wie Blende und Brennweite im Fotoapparat zusammenwirken, erklärt die Lernplattform LEIFIphysik. Das Ergebnis ist gleich hell und sieht völlig anders aus.

Wer diese Zusammenhänge sicher beherrscht, entscheidet bewusst statt zu probieren. Eine kompakte Erklärung der Beziehungen liefert das Belichtungsdreieck, das auch zeigt, in welchen Schritten die Werte gegeneinander verrechnet werden.

Wann Verwacklung beginnt

Die alte Faustregel setzt die längste freihändige Belichtungszeit auf den Kehrwert der Brennweite. Mit einem Fünfzigmillimeterobjektiv also eine Fünfzigstelsekunde. Diese Regel stammt aus der Kleinbildzeit und ist heute eher zu großzügig, weil hohe Auflösungen jede Bewegung sichtbarer machen. Wie weit sich die Grenze ausreizen lässt, hängt auch davon ab, wie man die Kamera hält.

Bildstabilisierung verschiebt die Grenze um mehrere Stufen, hilft aber nur gegen Kamerabewegung. Ein Kind, das sich bewegt, wird auch mit dem besten Stabilisator unscharf. Für bewegte Motive zählt allein die tatsächliche Belichtungszeit.

Drei Wege zu mehr Licht und ihre KostenJede Stellschraube bringt Helligkeit und nimmt an anderer Stelle etwas wegWas man aufdrehtWas es kostetBlende weiter öffnenWeniger Schärfentiefe, Fokus wird kritischBelichtungszeit verlängernBewegungsunschärfe bei Motiv und KameraISO-Wert erhöhenMehr Rauschen, weniger Zeichnung in denSchattenLicht hinzufügenDie Stimmung des vorhandenen Lichts gehtverlorensinar.ch
Die Stellschrauben bei wenig Licht und ihr jeweiliger Preis

Rauschen ist kein Tabu mehr

Viele scheuen hohe ISO-Werte aus Gewohnheit. Moderne Sensoren liefern bei Werten, die vor zehn Jahren undenkbar waren, brauchbare Ergebnisse, und Rauschen lässt sich in der Nachbearbeitung deutlich reduzieren, auch mit kostenlosen Programmen wie RAW-Therapee. Unschärfe lässt sich nicht reparieren.

Die Reihenfolge ist deshalb klar: Erst die Belichtungszeit sichern, die das Motiv braucht, dann die Blende so weit öffnen, wie es die gewünschte Schärfentiefe erlaubt, und den Rest über die Empfindlichkeit ausgleichen.

Richtig belichten heißt knapp belichten

In dunklen Situationen ist die Versuchung groß, das Bild schon in der Kamera hell zu machen. Sinnvoller ist es, die Lichter zu schützen und leicht unter der Anzeige zu belichten, sofern im Rohdatenformat aufgenommen wird. Ausgefressene Lichter enthalten keine Information mehr, dunkle Bereiche lassen sich anheben.

Das Histogramm ist dabei verlässlicher als das Vorschaubild, dessen Helligkeit von der Displayeinstellung abhängt.

Vorhandenes Licht suchen statt bekämpfen

In Innenräumen ist das beste Licht fast immer ein Fenster. Ein Schritt zur Seite verändert die Wirkung mehr als jede Einstellung an der Kamera. Wo mehrere Lichtquellen mischen, etwa Tageslicht und warme Deckenlampen, lohnt es sich, eine davon auszuschalten, weil Mischlicht die Farbkorrektur erschwert.

Reflektierende Flächen helfen zusätzlich. Eine helle Wand, ein Tischtuch oder eine Zeitung wirken als Aufheller, ohne dass zusätzliches Licht ins Bild kommt. Wer häufiger drinnen fotografiert, kann sich mit wenigen Mitteln auch ein kleines Fotostudio zu Hause einrichten.

Wann ein Stativ die Lösung ist

Bei unbewegten Motiven löst ein Stativ das gesamte Problem. Architektur, Stillleben und Landschaft bei Dämmerung lassen sich mit niedriger Empfindlichkeit und langer Zeit in einer Qualität aufnehmen, die freihändig unerreichbar bleibt.

Dazu gehört, den Auslöser nicht mit dem Finger zu betätigen, sondern über Selbstauslöser oder Fernauslöser. Der kurze Druck reicht aus, um eine ansonsten perfekte Aufnahme unscharf zu machen.

Häufige Fragen

Welche Einstellung sollte man bei wenig Licht zuerst ändern?

Zuerst die Belichtungszeit festlegen, die das Motiv verlangt, dann die Blende entsprechend der gewünschten Schärfentiefe öffnen und den Rest über den ISO-Wert ausgleichen.

Ist hohes ISO-Rauschen schlimmer als Unschärfe?

In der Regel nicht. Rauschen lässt sich in der Nachbearbeitung erheblich reduzieren, Bewegungsunschärfe nicht. Deshalb ist die kurze Belichtungszeit meist wichtiger.

Hilft ein Bildstabilisator gegen bewegte Motive?

Nein. Er gleicht nur Bewegungen der Kamera aus. Ein sich bewegendes Motiv wird trotzdem unscharf, wenn die Belichtungszeit zu lang ist.

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