Welche Kamera ist die richtige für mich?

beautiful girl with a cameraHeute möchte ich ein etwas kontroverses Thema anschneiden. Die Diskussion ist auch in den vergangenen Tagen bei Twitter ausgiebig geführt worden. Wenn ich irgendwo unterwegs bin und fotografiere, dann bekomme ich auch oft Sprüche zu hören wie: “Naja, mit der großen Kamera muss man ja gute Fotos machen” oder “Wie, die Kamera hat nur 11 Megapixel? Meine kleine Kamera für 99,00 € hat sogar 12 Megapixel.”

Dann zeige ich genau diesen Leuten ganz gerne 2-3 Bilder, die ich meist dabei habe. Wenn ich diesen Leuten dann noch dazu sage, dass diese Bilder mit dem 2 Megapixel-iPhone gemacht worden sind, welches noch nicht einmal einen Zoom hat, von einem Blitzlicht ganz zu schweigen, dann beginnt bei den meisten Leuten ein Denkprozess.

Bei Anmeldungen zu meinen Workshops werde ich sehr oft auch gefragt, ob man da eine teure Kamera für braucht. NEIN! Es geht doch um das fotografieren und nicht um die Technik. Natürlich hilft die Technik in bestimmten Fällen sicher weiter, aber das fotografieren übernimmt der Mensch, die Technik bildet nur das ab, was wir ihr vorsetzen.

Technikwahn(sinn)?

“Mehr Megapixel=bessere Fotos” ist eine dieser Wahnvorstellungen. In den Anfangszeiten der digitalen Fotografie mag das so gestimmt haben, damals gab es aber Kameras mit nicht mal einem Megapixel. Da kann man sich ja ausrechnen, wie groß das Bild ausgedruckt werden konnte, ohne dass man Verluste hinnehmen musste. Meine erste Kamera hatte eine Auflösung von 640*480 Bildpunkten. Bei einer normalen Druckauflösung von 300 DpI macht das eine Bildgröße von 5,23cm*3,92cm, also noch nicht einmal das kleinste Fotoformat 9*13 konnte ohne Verluste gedruckt werden.

Da war es natürlich ein riesiger Gewinn, als ich eine 1,3 Megapixel-Kamera bekam. Damit konnte man wenigstens diese kleinen Fotos verlustfrei drucken.

Aber ab einer Größe von 6-7 Megapixeln ist bei den kleinen Kompaktkameras Schluss. Alles, was da drüber liegt, wird eher qualitativ schlechter als besser. Eine richtig gute Beschreibung, warum das so ist, findet man bei 6mpixel.org.

Einen großen Anteil an den vielen falschen Vorstellungen haben meiner Meinung nach auch diverse Shopping-Sender. Mir sträuben sich regelmäßig die Haare, wenn dort Kameras verkauft werden. Ob es nun fehlende Vorbereitung der Verkäufer, technischer Unverstand oder einfach nur verkaufsförderliche Verbiegung der Wahrheit ist, das mag ich nicht entscheiden.

Welche Kamera ist also die richtige?

“Die Richtige” Kamera für alle gibt es nicht und wird es nicht geben. Jeder muss für sich selbst entscheiden. Dafür ist es sicher auch gut, wenn man die Kameras auch mal in die Hand nimmt, ausprobiert. Im Fotofachhandel oder bei diversen geizgeilen Elektronik-Märkten kann man in der Regel auch einfach mal eine eigene Speicherkarte in eine solche Kamera reinschieben und 3-4 Testfotos machen. Dann ruhig auch einfach wieder nach Hause gehen und diese Fotos am PC betrachten. Denn nur am PC auf den großen Bildschirm kann man die Fotos wirklich beurteilen.

Kompaktkamera, Bridge-Kamera oder Spiegelreflex?

Das kommt auf die Verwendung an. Sucht man eine Kamera, mit der man einfach nur schöne Fotos knipsen kann, ohne große Einstellungen machen zu müssen, von Wanderungen, von der Familie, im Urlaub, dann ist man sicher mit einer Kompaktkamera sehr gut bedient. Hier würde ich dann wie schon gesagt mehr Wert auf gutes Handling, gutes Objektiv und großes Display legen, als auf die Megapixel-Anzahl.

Möchte man intensiver fotografieren, mehr Einstellungsmöglichkeiten haben, mehr Möglichkeiten zur Nachbearbeitung der Fotos bekommen, aber trotzdem keine schwere Spiegelreflex-Kamera mit mehreren Objektiven rumschleppen, dann ist sicher eine Bridge-Kamera gut geeignet. Bridge-Kameras sind Kameras, die eine “Brücke” zwischen den Kompakten und den Spiegelreflex-Kameras bilden.

Will man aber vor allem schnelle Bewegungsabläufe fotografieren, vor allem im Sport-Bereich, will man in schlechten Lichtverhältnissen fotografieren, dann wird man um eine Spiegelreflex-Kamera nicht herum kommen. Da diese Spiegelreflex-Kameras größere Sensoren haben, sind hier auch 15-25 Megapixel möglich, ohne dieses “Mehr an Pixeln” mit einem “Weniger an Qualität” zu bezahlen.

Auch die wechselbaren Objektive lassen eine sehr flexible Arbeit zu. Je nach Einsatzgebiet kann man verschiedene Objektive nutzen, ohne jeweils eine andere Kamera einzusetzen. Ein Objektiv, das wie bei diversen Bridge-Kameras einen riesigen Zoom-Bereich abdeckt, bezahlt diesen großen Zoom-Bereich immer mit bestimmten Qualitätseinbußen. Die Schärfe eines Festbrennweitenobjektives erreicht ein Zoom-Objektiv in der Regel nicht. Auch im Makro-Bereich hat man mit einer Spiegelreflex sicher eine Vorteile gegenüber anderen Kameras.

Wenn schon eine digitale Spiegelreflex-Kamera, welche ist dann die bessere?

Auch das kann nur jeder selbst für sich entscheiden. Es gibt eigentlich keine schlechte Spiegelreflex-Kamera. Die eine hat ein schwenkbares Display als Vorteil, dafür hat die andere ein besseres Rauschverhalten. Da heißt es wieder ausprobieren, in die Hand nehmen, auslösen, entscheiden.

Diese Entscheidung ist dann in der Regel erst einmal eine Entscheidung, die länger hält. Da man sich meist auch das ein oder andere Objektiv zulegt, ist man beim Kamerawechsel dann meist an die eine Marke gebunden, da man die Objektive natürlich weiter verwenden möchte. Aber das ist selten ein Problem. Die Canon-Nutzer lieben ihre Canon, die Nikkonianer ihre Nikkon, die Sigma-Nutzer ihre Sigma usw.

Welche Erfahrung hast Du gemacht?

Wie war bei Dir die Entscheidung zu einer neuen Kamera? Welche Kamera nutzt Du zur Zeit? Hinterlass doch bitte einen kurzen Kommentar dazu, die anderen Leser würden sicher auch Deine Erfahrungen interessieren.

0 Antworten
  1. Franzel
    Franzel says:

    Olympus e400… war vor 1,5 jahren die leichteste, handlichste und kleinste… trotzdem super werte und bilder… deshalb hab ich mich als meine erste slr-kamera dafür entschieden… Bereue es bis heute nicht… zum thema objektive: dort passt jedes k-bajonett-objektiv ran

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  2. Joe2712
    Joe2712 says:

    Ich habe mich damals für Conon entschieden, weil ich vorher eine analoge Canon Spiegelreflex-Kamera hatte und ich das Zoom-Objektiv weiter nutzen wollte. Habe dann aber schnell gemerkt, dass die Onjektive der analogen Kamera nicht so der Hit waren an der digitalen Canon. Und zum Gewicht, ich habe letzte Woche eine Canon 1000D in der Hand gehabt, kam mir sehr wie ein Spielzeug vor, so vom Gewicht und der Verarbeitung her. Die 40D ist schon was anderes, wenn dann noch der Batteriegriff dran ist, dann hat das schon ein Gewicht, aber ich wollte es auch nicht anders.

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  3. Eike B.
    Eike B. says:

    Ich hab mich aus dem selben Grund damals für die Canon EOS 300D entschieden. Die erste digital Spiegelreflex die so richtig bezahlbar war. Habs bis heute nicht bereut. Hab letztens mal mi der 40D fotografieren könne und muss sagen den Schritt würde ich als nächstes dann auch gerne Gehen ;)

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  4. Thomas
    Thomas says:

    Ich fotografiere seit 2005 (oder -6?) mit einer Canon 10D. Sie ist nachfolgerin einer EOS300V aus dem Jahre 1999, die die Nachfolgerin meiner Practika LTL2 aus dem Jahr 1977 war. Die aktuelle Canon hat “nur” 6 Megapixel, was aber für Ausdrucke bis 30 x 45 cm² ausreicht. Vor kurzem habe ich mir dann wegen des Gewichts noch eine immer-dabei-Kamera gekauft, eine kleine Canon mit, glaube ich, auch “nur” 7 Megapixeln. Wichtiger als die Auflösung war mir beim Kauf die (geringe) Größe und dass auf der Kamera CHDK läuft, so dass ich auch mit der Kleinen RAW-Aufnahmen machen kann. Aber es kommt ja gar nicht so sehr auf die Kamera an… Sie muss schon technisch in Ordnung sein, aber sie ist eben NUR das Instrument. Und als Instrument muss sie zu mir passen und eben funktionieren.
    Zur Bekräftigung eine kleine Anekdote, ein Fundstück aus dem Internet: Helmut Newton ist zum Abendessen eingeladen. Die Hausfrau: „Ich gratuliere zu Ihren Bildern, sie sind großartig. Sie haben sicher einen guten Fotoapparat!“ Nach dem Essen:“Gnädige Frau, das Essen war vorzüglich, Sie haben sicher gute Pfannen.“

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  5. Computersucht-Experte
    Computersucht-Experte says:

    Die Kamera muss aber doch auch gut ausschauen! Nicht nur die Technischen Daten sind wichtig. Das ist wieder mal Typisch Technik Freaks!!!

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