Makrofotografie – Fototechniken Teil 2

Joerg Esser Fotografie-Grashüpfer-MakroIm ersten Teil der Reihe Fototechniken ging es um das eher winterliche Thema Langzeitbelichtungen. Der Winter ist nun vorüber, hoffe ich. Nun geht es also an ein eher für das Frühjahr geeignete Thema, die Makrofotografie. Aber nicht nur im Frühling lassen sich interessante “kleine Dinge ganz groß” ablichten. Das Frühjahr bietet nur die meiste Abwechslung der Farben.

Was ist Makrofotografie?

Makrofotografie ist ein Bereich der Fotografie, bei dem bestimmte Objekte bis zu einem Abbildungsmaßstab von 1:1 abgebildet wird. Dazu wird ein spezielles Makroobjektiv oder ein anderes Hilfsmittel benötigt, da die meisten “normalen” Objektive ein Abbildungsmaßstab von 1:3-1:10 haben.

Was sagt dieser Abbildungsmaßstab überhaupt aus?

Ein Beispiel: Ein 1-Cent-Stück wird mit einem normalen Objektiv fotografiert. Das 1-Cent-Stück hat einen Durchmesser von 1,6 cm. Mit dem normalen Objektiv (Hier als Beispiel mein Sigma 18-200mm) muss ich mit dem Objektiv-Ende mindestens 20 cm vom 1-Cent-Stück weg sein, damit ich noch scharf stellen kann. Das 1-Cent-Stück nimmt auf dem Sensor eine um den Abbildungsmaßstab verkleinerte Größe ein. Hat mein Objektiv einen Abbildungsmaßstab wie hier im Beispiel von 1:3, so nimmt die 1-Cent-Münze auf dem Sensor einen Durchmesser von 0,53 cm ein. Bei der Sensorgröße von 14,9mm * 22,3 mm bekomme ich das Cent-Stück also nicht Formatfüllend auf den Sensor.

Joerg   Esser Fotografie Makroaufnahmen

Mit einem Makro-Objektiv, welches eine 1:1 Darstellung ermöglicht, wird die 1-Cent-Münze also in voller Größe auf dem Sensor abgebildet. Man kann also viel mehr Details erkennen.

Ein tolles Stilmittel ist vor allem auch der ziemlich kurze Schärfentiefenbereich bei Makroaufnahmen. Der Bereich im Bild, der scharf ist, ist bei einer Makroaufnahme ziemlich gering. Bei der Blüte hier im Bild ist das Insekt in der Blüte Scharf, die Blüte selbst ist im Vordergrund und im Hintergrund schon wieder unscharf. Mit diesem Stilmitteln kann man wunderbar spielen und tolle Ergebnisse erzielen.

Welche Ausrüstung benötige ich für die Makrofotografie?

Die Ausrüstungsgegenstände sind denen der Langzeitbelichtung ziemlich ähnlich. Wichtig wäre (nach dem Objektiv) vor allem das Stativ. Da die Schärfentiefe in der Makrofotografie ziemlich gering ist, sie beträgt manchmal nur wenige Millimeter, ist ein Stativ unbedingt angebracht, damit der Schärfepunkt wirklich an der Stelle bleibt, den wir anvisiert haben.

Zusätzlich wäre wieder ein Fernauslöser (Drahtgebunden oder Kabellos) anzuraten, da jeder Druck auf den Auslöser eine kleine Bewegung der Kamera mit sich bringt und diese Bewegung wiederum zur Veränderung des Schärfepunkts führen kann.

Zum Objektiv – hier habe ich persönlich sehr gute Erfahrungen mit dem 90mm F2.8 von Tamron gemacht. Es bietet einen Abbildungsmaßstab bis 1:1 und macht knackscharfe Fotos.

Wer das Geld für ein solches Makro-Objektiv (das Tamron ist auch ein geniales Portrait-Objektiv) ausgeben kann oder möchte, für den gibt es auch eine günstigere Lösung. Mit Hilfe eines sogenannten Retro-Adapters ist es möglich, aus dem ganz einfachen Kit-Objektiv 18-55mm ein richtig gutes Makro-Objektiv zu machen. Dazu wird das Objektiv verkehrt herum auf die Kamera geschraubt. Es gibt dazu mehrere Möglichkeiten, eine DoItYourself-Bauanleitung ist hier zu finden, wer basterlisch nicht so gut ist, kann einen Retro-Adapter auch kaufen (link).

Was muss ich bei der Makrofotografie beachten?

Der Optimale Aufbau wäre ein festes Objekt, eine feste Kamera (auf dem Stativ), einen Fernauslöser, die Kamera auf Blendenvorwahl eingestellt, mit einer mittleren Blende (8-15) und Spiegelvorauslösung. Den Schärfepunkt kann man bei den moderneren Kameras am Besten mit dem Life-View-Modus einstellen, oder die Kamera automatisch fokussieren lassen. Nun braucht man nur noch auslösen.

Ist der Schärfentiefenbereich zu gering, gibt es zwei Möglichkeiten. Erste Möglichkeit, eine kleinere Blende nutzen, oder mehrere Fotos mit verschiedenen Schärfeebenen schießen, und in Photoshop (ab CS4) zusammensetzen lassen.

Ansonsten gibt es nur eins zu beachten, Spaß haben und lernen. :)

0 Antworten
  1. Julian
    Julian says:

    Das wichtigeste immer zum Schluß: “Ansonsten gibt es nur eins zu beachten, Spaß haben und lernen.”

    Sehr fein und informativ – Danke, habe wieder was gelernt.

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  2. zoomyboy
    zoomyboy says:

    Sry, leider ist es nicht ganz so einfach mit der Nah- bzw. Makrofotografie!
    Deine Erklärung zur Makrofotografie, ist nicht korrekt. Folgendes: “Bildet man ein Motiv in seiner wirklichen Größe oder Größer auf einem Medium (Film oder Chip) ab, so ist das Makrofotografie. Fotografiert man es dagegen kleiner als in der Realität, so spricht man von der Nahfotografie.”

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  3. Jochen
    Jochen says:

    Hallo Jörg,

    interessant geschrieben! Ich habe deinen Artikel bei mir verlinkt. Ich hoffe, dass das genehm ist? Wenn nicht, bitte um kurze Info. Danke!

    Jochen

    Antworten
  4. Jochen
    Jochen says:

    Danke Jörg! Ich frage halt lieber nach, als dass ich mir später Ärger einhandel. Auf der Startseite meiner Website habe ich schließlich auch den Grashüpfer von dir eingebettet. Der ist dort aber nur zu sehen, solange der Artikel als “featured” markiert ist und unter den letzten 6 gelistet ist.

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  5. Thorsten
    Thorsten says:

    Hallo Jörg,

    bin gerade auf deine Seite gest0ßen und möchte ebend einen kleinen Fehler in Bezug auf deinen Abbildungsmaßstab korrigieren …

    Das 1ct Stück ist im Original 1,6cm groß und beim Abbildungsmaßstab von 1::3 demnach 0,533333…cm. Soweit stimmt das.
    Der Punkt das du es aber nicht auf einen (22,3×14,69)mm Sensor abbilden kannst ist falsch, denn 0,53cm sind 5,3mm und damit passt es locker noch Formatfüllend auf den Sensor.
    In Umgekehrter Richtung würd es stimmen, also Abbildungsmaßstab von 3:1. Dann wäre das 1ct Stück 4,8cm = 48mm groß.

    Soll keine kritik an deiner Rechenkunst sein, sondern nur ein kleiner Hinweis, es gibt ja leider genug Leute die beim lesen nicht mitdenken und es einfach hinnehmen.

    Schöne Grüße
    Thorsten

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  6. Joe2712
    Joe2712 says:

    Ich glaube, Du hast mich da missverstanden. Deine Rechnung stimmt, genau wie meine. Ich bekomme das Cent-Stück halt nur nicht formatfüllend auf den Sensor, also so, dass das Cent-Stück die gesamte Bildfläche ausfüllt, es würden sogar 3 Cent-Stücke auf die Bildfläche passen. In der Makrofotografie möchte man aber natürlich gern die kleinen Dinge so groß wie möglich darstellen.

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  7. Thorsten
    Thorsten says:

    Achso meintest du das … Also Formazfüllend im Sinne von maximale Sensorausnutzung.
    Ok dann hab ich dich da Missverstanden, sorry.

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  1. […] den beiden ersten Teilen (Langzeitbelichtungen, Makrofotografie) möchte ich in diesem Teil der Fototechnik-Reihe auf die HDR-Fotografie eingehen. Wobei es […]

  2. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Joe2712 erwähnt. Joe2712 sagte: gebloggt: Makrofotografie – Fototechniken Teil 2 (http://www.einpraegsam.de/?p=3059) #fotog #tutorials […]

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