Langzeitbelichtung – Fototechniken Teil 1

Marktplatz in Sondershausen
Schon länger liegt mir dieses Thema am Herzen, bisher fehlte mir leider die Zeit, dieses umfangreiche Gebiet etwas näher zu beleuchten. Ich möchte das nun in einem ersten Teil nachholen.

Auf unseren wöchentlichen Fototouren experimentieren wir regelmäßig auch mit verschiedenen Kameratechniken rum. Je nach Jahreszeit sind das verschiedene Techniken. Im Winter ist das hauptsächlich die Langzeitbelichtung und das arbeiten mit Licht und Schatten. Im Frühjahr sind dass dann vermehrt Makroaufnahmen und Panoramaaufnahmen.

Langzeitbelichtung – die Ausrüstung

Das A und O bei der Langzeitbelichtung ist ein gutes Stativ. Keine Langzeitbelichtung kommt ohne Stativ aus. Hier sollte man beim Kauf auch nicht zu sehr auf einen günstigen Preis schauen, es gibt hier ziemliche Qualitätsunterschiede. Ich nutze seit etwa einem Jahr ein Manfroto 3-bein-Stativ 055MF3 mit Kugelkopf. Dieses Stativ ist sehr standfest und lässt sich ziemlich hoch “ausfahren”. Es bietet aber auch die Möglichkeit, in 10 cm Bodennähe zu fotografieren.

Ein weiterer wichtiger Ausrüstungsgegenstand ist ein gutes Objektiv. Die besten Ergebnisse habe ich mit meinem Canon 50mm F1.8 Festbrennweitenobjektiv gemacht. Nun sind 50mm manchmal schon zu groß, dann muss es halt ein etwas schlechteres Objektiv tun.

Was nicht unbedingt notwendig ist, aber trotzdem hilfreich sein kann ist ein Fernauslöser. Entweder als Kabelvariante oder besser als Funkfernauslöser. Wer keinen Fernauslöser besitzt, der sollte den Selbstauslöser der Kamera benutzen.

Warum? Bei Langzeitbelichtungen bringt jede kleine Bewegung Unschärfe ins Bild. Auch der Druck auf den Auslöser bewegt die Kamera ein klein wenig. Nutzt man den Selbstauslöser, so drückt man auf den Auslöser, dann hat die Kamera noch 10 Sekunden Zeit, sich wieder zu “beruhigen”.

Will man tagsüber Langzeitbelichtungen machen, so ist ein Graufilter hilfreich. Graufilter “schlucken” einfach eine gewisse Menge an Licht und lassen diese nicht zum Objektiv durch. Ohne Graufilter kann erhält man sonst bei hellem Licht und zu langer Belichtungszeit ein völlig überbelichtetes Bild.

Langzeitbelichtung – welche Kameraeinstellungen?

Manuell ist das Zauberwort. Ich empfehle bei Langzeitbelichtungen immer den manuellen Modus. Hier habe ich die größten Freiheiten, was die Wahl der Blende und der Belichtungszeit anbelangt. Natürlich ist auch die Blendenvorwahl oder die Zeitvorwahl möglich. Wenn es möglich ist, verwende ich den ISO-Wert 100.

Szenario 1 – Nachtaufnahme

Bei Nachtaufnahmen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sind im Blickfeld noch irgendwelche Lichtquellen zu sehen, ermöglicht die Einstellung einer kleinen Blende (etwa Blende 10-20) interessante Lichtpunkte in Sternenform. Bei größeren Blenden (etwa Blende 2.8-5) werden die Lichter einfach nur als Lichtpunkte angezeigt.

Ich beginne in der Regel mit einer mittleren Blende (etwa Blende 8 oder 10) und 30 Sekunden Belichtungszeit. Danach begutachte ich das Ergebnis, ist das Bild zu hell, verringere ich die Belichtungszeit. Ist es zu dunkel, so erhöhe ich entweder den ISO-Wert auf 400 oder ich vergrößere die Blende (höherer ISO-Wert = mehr Rauschen im Bild, größere Blende, kleinere Tiefenschärfe).

Benutzt man einen Funkfernauslöser, so kann man hiermit auch längere Belichtungszeiten verwenden. Die Kamera selbst lässt in der Regel maximal den Wert 30 Sekunden zu. Die Bulb-Funktion ist ungeeignet, da ich durch den zweiten Druck auf den Auslöser die Kamera wieder bewegen würde, also ein unscharfes Bild bekomme.

Burschanschaftsdenkmal Eisenach - Bäume bei Nacht - blaue StundeDa bei meiner Canon 7D bei wenig Licht der Autofokus nicht mehr genau genug funktioniert, nutze ich auch hier den manuellen Fokus. Da kommt das hochauflösende LifeView-Display ins Spiel. Ich stelle auf Life-View um und vergrößere den Bildausschnitt mit der Lupentaste an der Kamra, so dass ich eine 10-fach vergrößerte Ansicht im Display sehe, jetzt kann ich ziemlich genau manuell fokussieren.

Nachts fotografiere ich zur Sicherheit immer Belichtungsreihen. Dadurch habe ich einfach mehr Möglichkeiten, ich kann dann am PC besser entscheiden, welche der drei Belichtungen das optimalste Ergebnis bringt.

Szenario 2 – “weiches Wasser”

weiches Wasser - Langzeitbelichtung MühlhausenIch war immer begeistert von solchen tollen Langzeitbelichtungsaufnahmen, in denen irgendwelche Wasserläufe zu sehen waren. Die Wasserläufe sehen hierbei aus, als wären sie aus Seide, ein weicher Schleier liegt darüber. Dieses Ergebnis erzielt man durch eine lange Belichtungszeit.

Diese lange Belichtungszeit erreicht man tagsüber entweder durch eine sehr kleine Blende, oder durch die Verwendung eines Graufilters. Ist das Umgebungslicht nicht sonderlich hell, so kann man sich mit der ersten Methode behelfen, ich stelle Blende 32 ein und versuche es mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden. Ist das Ergebnis zu dunkel, dann versuche ich es mit einer längeren Zeit. Ist das Ergebnis zu hell, bleibt mir nur der Griff zum Graufilter. Diese Filter lassen sich auch wunderbar kombinieren, bietet ein Graufilter immer noch keine ausreichend lange Belichtungszeit, so schraubt man einfach einen zweiten obendrauf.

Was hast Du schon für Erfahrungen mit Langzeitbelichtungen gemacht? Hinterlass doch bitte einen Kommentar.

PS: Wer noch mehr zur Langzeitbelichtung wissen möchte, der sollte unbedingt mal bei Julian vom 19-5-Blog vorbeischauen. Er hat hier eine sehr umfangreiche und gut verständliche Zusammenstellung zu diesem Thema.

0 Antworten
  1. Julian
    Julian says:

    No zu erwähnen dass es Graufilter in verschiedenen Stärken gibt

    Dichte (ND) – Verlängerungsfaktor (Verschlusszeit) – Lichtreduktion in Blendenstufen

    0,3 – 2x – 1
    0,6 – 4x – 2
    0,9 – 8x – 3
    1,8 – 64x – 6
    3,0 – 1.000x – 10
    4,0 – 10.000x – 13
    6,0 – 1.000.000x – 20

    Antworten
  2. Julian
    Julian says:

    Noch ein NAchtrag für wirklich lange Belichtungszeiten, macht es Sinn erst ein Probebild mit Hoher ISO und und kleiner Blende zu machen.
    Wenn das Bild von der Bilichtung her Ok ist, kann man die Belichtungszeit für eine kleinere ISO und eine große Blende berechnen.

    Antworten
  3. Matthias Sch.
    Matthias Sch. says:

    Hallo,
    sehr interessantes Thema das auch gerade bei mir groß im Kommen ist. Ich habe mir gerade ein Graufilter gekauft und warte nun auf besseres Wetter. Habe so einige Ideen im Kopf die ich noch umsetzen will. Die Tips und Tricks von Euch sind sehr hilfreich.
    Lg Matze

    Antworten
  4. Joe2712
    Joe2712 says:

    @Julian

    Danke für den Hinweis, bisher habe ich noch nicht so viel mit Graufiltern gearbeitet, sehr hilfreich Deine Hinweise.

    @Matthias
    Ich habe gerade heute bei nicht ganz so gutem Wetter ganz interessante Langzeitbelichtungen gemacht, es war teilweise bewölkt und hat dann immer mal wieder in einer einzelnen dicken Wolke geblitzt.

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