Joe McNally – ein Ausnahmetalent

In der letzten Woche bekam ich eine Einladung per eMail zu den Nikon Solution Days. Da solche Einladungen häufiger kommen, lösche ich diese meist gleich. Allerdings nicht diesmal, als ich die eMail geöffnet hatte sprangen mir gleich zwei sehr interessante Tagespunkte ins Auge. Maike Jarsetz hatte einige Adobe Photoshop und Lightroom-Vorträge auf der Tagesordnung und Joe McNally hält einen Workshop über Lichtsetzung.

mcnally-8522Ich verfolge schon länger die Arbeiten von Joe McNally, sein erstes Buch “The Moment it klicks” ist eines der genialsten Fotografie-Bücher, die ich kenne. Seine Lichtsetzung ist einfach einmalig. Schon allein dieser Vortrag hat mich dazu bewogen, kurzfristig ein paar Termine umzuschaufeln und am Freitag nach Köln zu fahren.

Da ich ja nun eher Canon-Fotograf bin, wurde ich schon ab und zu ziemlich komisch angeschaut, als ich da so mit meiner EOS rum gelaufen bin. Interessant war auch, dass sich Leute sofort nach mir umgedreht haben, wenn ich ein Foto gemacht habe, das reine Auslösegeräusch der Canon-Kamera hatte sie schon ein wenig zusammenzucken lassen. :)

Nach einem kurzen Rundgang durch die Halle war ich ein wenig enttäuscht von dem ganzen Drumherum, das war ein wenig klein alles. Ich hatte mir etwas mehr davon versprochen. Aber egal, wichtig waren mir die Vorträge.

Also sind wir dann rechtzeitig in den Vortragsbereich gegangen, um auch einen der vorderen Plätze zu bekommen. Dort lief gerade der Umbau. Währenddessen lief auf einer Leinwand ein auf die Dauer sehr nerviges Werbevideo von Nikon. Irgend ein Pressefotograf musste da herhalten und Lobeshymnen auf die Nikon-Kameras singen. Das alles war sehr gestelzt und auswendig gelernt. Und alles in allem ruht sich Nikon viel zu sehr auf den Fehlern anderer aus, anstatt die eigenen zu beheben. In jedem Vortrag an dem Tag wurde spöttisch darauf hin gewiesen, dass die Canon 1ds Probleme mit dem Fokus hatte. Leider wurde in dem Video nicht gesagt, dass Nikon die komplette Presseagentur mit Kameras versorgt hatte. Naja, einem geschenkten Gaul…

mcnally-8507Zurück zu McNally. Vor seinem Vortrag hat er sich zuerst von ein paar Ständen in der Halle sein Equipment zusammengeschnorrt. Es waren also sehr viele Dinge da, mit denen er vorher noch nie gearbeitet hatte. Trotzdem hat er sie eingesetzt, genial eingesetzt.

In seinem Vortrag baute McNally sein Bild Schritt für Schritt auf, man konnte wunderbar mit verfolgen, wie er seine Idee umsetzt und verfeinert. Als Model war ein Bodybuilder engagiert. Der Hintergrund war mit schwarzem Stoff bespannt, der Bodybuilder hatte ein schwarzes T-Shirt an. Das erste Foto zeigte keine Konturen mehr, das T-Shirt und der Hintergrund waren eins. Mit einer etwas anderen Lichtsetzung erreichte er schon den ersten Aha-Effekt, das T-Shirt war klar von Hintergrund getrennt.

Nach ein paar weiteren Umgestaltungen, ein paar weiteren Lichtquellen war das dann entstandene Bild einfach der Hammer, kein Vergleich mehr zum ersten Versuch. McNally hat dazu keinen einzigen Studio-Blitz verwendet, nur normale Aufsteckblitze (Nikon SB900). Einfach Klasse.

mcnally-8524Wie locker und lustig dieser Mann das ganze rüber gebracht hat war einfach einmalig. Jeden Schritt, jedes neue Licht, jeden Reflektor hat er erklärt, warum er diesen einsetzt, welche Auswirkung dieser hat. Zwischendurch immer wieder mit einer lustigen Einlage garniert war der 1 1/2 stündige Vortrag sehr kurzweilig. Zwischen den einzelnen Shootings fragte er auch immer wieder in die Runde, ob es Fragen gäbe, diese beantwortete er dann auch sehr ausführlich, mehr kann man an einem solchen Tag nicht lernen.

Nach dem Vortrag gab es noch eine Autogrammstunde, sein neues Buch “The Hot Shoe Diaries: Creative Applications of Small Flashes” wurde dort ach angeboten, welches ich natürlich gleich mitgenommen habe. McNally hat es dann noch signiert. Ich werde dazu sicher auch mal eine Rezension schreiben. Ich muss nur die Zeit finden, es mal etwas intensiver zu lesen.

Das Portfolio von Joe McNally ist hier zu sehen.

0 Antworten
  1. Mirco
    Mirco says:

    Ich war Samstags dort.

    Stimmt soweit… die Halle und Ausstellungsfläche war etwas dürftig.

    Im Video wurde allerdings zwischendurch erwähnt, das die Presseagentur komplett auf Nikon umgestellt hatte.

    McNally hatte hier ein etwas anderes Setup und der Canon Nutzer in der ersten Reihe (gab wohl insgesammt mehrere) wurde geschickt in eine spontage Wanderprediger-Nummer eingebaut. Hallelujah! :)

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  2. Joe2712
    Joe2712 says:

    Ja, das wurde in dem Video erwähnt. Umstellen ist aber für mich was anderes als auf ein Angebot eingehen, das weit unter dem wirklichen Wert liegt. Und Nikon hat hier die Ausstattung gegen Werbung geliefert, das ist für mich was anderes.

    Ich kann mich bei dem ganzen hin und her, Nikon oder Canon nicht unbedingt auf eine Seite schlagen, ich finde auch die Nikon-Cams prima. Ich kann nicht sagen, ob nun Canon oder Nikon besser ist, der eine bringt eine neue Camera raus, die hat neue Funktionen dabei, kurz darauf ersinnt der nächste wieder was anderes und ist damit in Front.

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