Wie fotografiere ich Stadtansichten in der Nacht? Teil 1

Nach der kleinen Anleitung in der letzten Woche zum Thema: “Wie fotografiere ich Feuerwerk” (link) möchte ich heute einiges zum Thema Architekturfotografie, speziell Fotografie von Stadtansichten in der Nacht erzählen. Die Zeit, in der es wieder ziemlich früh dunkel wird, nähert sich ja auch wieder mit großen Schritten, es wird also auch hier in den nächsten Wochen wieder mehr Fotos geben, die in der Dunkelheit entstanden sind.

Oft werde ich gefragt, wie diese Foto entstanden sind, also möchte ich dazu hier ein klein wenig näher auf meine Technik eingehen, mit der ich Fotos wie das Foto des Dresdener Zwingers (link) von letzter Woche erstellt habe. Dabei geht es heute vor allem um die Technik der Aufnahme, des fotografierens, und im zweiten Teil wird es um die Nachbearbeitung, speziell um die Erstellung eines HDR-Bildes gehen.

Vorbereitung und Ausstattung

Zuerst einmal ist es bei dieser Art der Fotografie wichtig, ja unerlässlich, dass man mit Hilfe eines Statives arbeitet. Was für ein Stativ man verwendet, ist erst einmal völlig egal, wichtig ist nur, dass es einen festen Stand hat und nicht bei jedem Windstoß wackelt.

Vor allem bei solchen Fotos, auf denen viele Gebäude zu sehen sind, ist die Beleuchtung oft eine schwierige Sache. In dem Beispielbild von Dresdener Zwinger waren zum Beispiel die Laternen, die vor den Gebäuden standen, das größte Problem. Egal, wie ich fotografiert habe, entweder waren die Lampen völlig überstrahlt, oder der Hintergrund war zu dunkel. Um dieses Problem zu umgehen, fotografiere ich nachts fast immer eine Belichtungsreihe, d.H. ich mache meist von einem Objekt 3 Fotos, eines mit der normalen Einstellung, eines mit 2 Blenden unterbelichtet und eines 2 Blenden überbelichtet. Dafür gibt es in den Spiegelreflexkameras speziell eine Einstellung, die diese Einstellungen automatisch übernimmt.

Als Objektiv nutze ich für solche Aufnahmen sehr gern das Canon 50mm/1.8 Die Festbrennweite zwingt mich dann zwar meist, mich mehr zu bewegen, bis ich die richtige Position gefunden habe, aber die Fotos werden einfach den Tick besser mit diesem Objektiv.

Kameraeinstellungen

Als Blende habe ich hier im Beispiel F4 gewählt, ISO100 und eine Verschlusszeit von 6 Sekunden. Da ich mal wieder den Fernauslöser nicht dabei hatte habe ich den Selbstauslöser mit 2 Sekunden Verzögerung gewählt. Wenn jetzt die Funktion für eine Belichtungsreihe eingestellt ist, macht die Canon-Kamera automatisch die 3 Fotos hintereinander, ohne dass man weiter etwas drücken muss.

Den optimalen Standpunkt für Motiv suchen

Nach den Einstellungen habe ich mir den besten Standpunkt gesucht, von dem aus ich das gewünschte Motiv fotografieren wollte. Hier im Beispiel musste ich dazu das Stativ so aufstellen, dass ich mit der Kamera möglichst tief stand, um auch die Spiegelung im Wasser optimal aufs Bild zu bekommen. Ich habe also das Stativ so weit runter gesetzt, dass ich gerade über den Rand des Springbrunnens gekommen bin, so weit, das dieser nicht mehr zu sehen war.

Nun muss noch richtig fokussiert werden. Da das in der Dunkelheit mit dem Autofokus nicht immer so gut klappt, mache ich auch das in der Regel manuell. Dabei kommt mir wieder eine Funktion in der Kamera zu Hilfe. Ich schalte in den Live-View-Modus und kann dann das Bild, das ich auf dem Display sehe, mit einem Tastendruck 5fach vergrößert darstellen lassen, bei nochmaligem Tastendruck wird es 10fach vergrößert angezeigt. Bei dieser 10fachen Vergrößerung auf dem Display kann man richtig gut scharf stellen, das funktioniert klasse.

Dann fehlt nur noch eins, das Auslösen. Also einfach auf den Auslöser gedrückt, die Kamera losgelassen, dann wird nach 2 Sekunden das erste Bild aufgenommen, dann gleich das zweite und dritte.

Dann habe ich die drei Fotos auf dem Display angeschaut und begutachtet. Wenn alle 3 Fotos OK sind, dann wars das. Klar ist dabei das zweite Bild viel zu dunkel und das dritte viel zu hell, aber so soll es auch sein, das brauche ich für die Nachbearbeitung noch.

Die Nachbearbeitung am PC

hier geht es dann am Mittwoch weiter mit diesem Thema…

Bis dahin ein paar Beispiele der oben erläuterten Technik.

0 Antworten
  1. Frederik
    Frederik says:

    Hallo Jörg,
    eine kurze Frage zudem Bild der Dresdner Frauenkirche,

    Hast du evtl. einen Grauverlauffilter benutzt oder sieht sie in natura auch halb dunkel halb hell aus?

    Übrigens, ich finde es echt klasse das du Gimp Tutorials anbietest. Deine sind echt gut gemacht im Vergleich zu vielen die ich schon gesehen habe.

    Gruß Frederik

    Antworten
  2. Joe2712
    Joe2712 says:

    Hallo Frederik,
    nein, ich habe keinen Verlaufsfilter verwendet. Die Kirche ist nicht einfarbig hell, sie hat helle Steine und dunkle, die dunklen Steine sind zumeist diejenigen, die noch von der ursprünglichen Kirche vorhanden waren. Die Frauenkirche wurde ja nach der Zerstörung nach dem 2. WK erst nach der Wende wieder aufgebaut.

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] ich in der letzten Woche im ersten teil der Serie “Wie fotografiere ich Nachtaufnahmen” (link) etwas mehr auf den fotografischen Teil eingegangen bin, wird es heute mehr um den Teil der […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über ihren Beitrag!

Kommentar verfassen