einpraegsam im Interview – 10 Fragen an Jakob Adler

Jakob Adler, 28 Jahre alt, bezeichnet
sich selbst als “ambitionierter Hobbyfotograf”.
Er ist erst vor wenigen Monaten
auf den Zug der DSLR-Fotografie
aufgesprungen. Über seine Erfahrungen
erzählt er in seinem Blog (link).
Zur Zeit noch auf Landschaftsfotografie
konzentriert, soll die Portraitfotografie
ein weiteres Thema seiner Arbeit werden.
Er spekuliert darauf, eines Tages mal
ein paar Euro mit seinen Bildern verdienen zu können.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen und seit wann fotografierst Du?
Nun, meine Liebe zur Fotografie kam immer phasenweise. Als ich neun Jahre alt war, hab ich mir von meinem Taschengeld eine kleine, billige Analogkamera gekauft. Später hab ich die Kamera meiner Eltern gerne mal ausgeliehen. Eine volle Fotokiste in der Abstellkammer ist das Zeugnis dieser Zeit. Dann war erstmal Pause.
Als es dann mit der Digitalfotografie losging hab mir die kleine Sony DSC-P72 besorgt, die immer noch in meiner zweiten Fototasche liegt. Viele Fotos hab ich in der Zeit gemacht und trotz der (im Vergleich zu DSLR-Kameras) eingeschränkten Möglichkeiten war es mir wichtig nicht einfach nur wild rumzuknipsen. Nach einer Weile war aber auch hier wieder Pause angesagt.
Mitte des Jahres habe ich mir dann mal die Olympus C-8080, eine Bridgekamera, meines Vaters geschnappt um mal wieder ein wenig rumzuspielen. Natürlich habe ich mich dann im Internet umgeschaut, nach Tipps usw. gesucht, und bin auf zahlreiche Blogs zu dem Thema (natürlich auch dieses hier) gestoßen. Da war dann immer die Rede von DSLR, Wechselobjektive, Festbrennweiten, manuellem Fokus usw. Da ich auch ein Technik-Freund bin, fand ich das von Anfang an spannend. Und plötzlich sah ich die ganzen Möglichkeiten der Fotografie, meine Ideen in Bilder umzusetzen. So nahm alles seinen Lauf.

Was ist das wichtigste, was Du in den letzten Monaten über die Fotografie gelernt hast?
Mach was Du willst. Begeistere andere Menschen. Hör nicht auf zu fotografieren.

Welche Art von Fotografie interessiert Dich am meisten?
Bisher habe ich mich zum Großteil mit Natur- und Landschaftsfotografie beschäftigt. Für Einsteiger ist das recht gut geeignet, finde ich. Die Landschaft ist immer da, immer geduldig und es gibt viel auszuprobieren und zu entdecken. Ich bin immer noch fasziniert davon, morgens früh rauszuziehen und in der Kälte die Goldene Stunde zu fotografieren.
Nichtdestotrotz möchte ich mich in Zukunft auch verstärkt auf Portraits stürzen und ich mit verschiedenen Ausleuchtungstechniken, Schirmen, Reflektoren und dergleichen spielen. Menschen zu fotografieren finde ich ungemein spannender als Landschaften, da hier Sekundenbruchteile über den richtigen Augenblick entscheiden können.

Würdest Du eines Deiner Fotos vorstellen und ein wenig dazu erzählen?

4072775207_4dc307c48d[1] Dieses Foto entstand eines Abends vom Stuttgarter Fernsehturm aus.
Ich hatte die spontane Idee, mal die Aussicht da oben zu testen.
Daraus wurde ein echter Härtetest für meine Kleidung,
denn der Wind ist da oben dann doch von eher kalter und heftiger Natur.
Zwar ziehe ich bei solchen Temperaturen ein Paar Laufhandschuhe an,
um meine Finger zu wärmen, aber auch das war innerhalb kürzester Zeit
nicht mehr hilfreich. Hinzu kommt meine Neigung zur Höhenangst,
die das ganze noch etwas aufregender machen sollte. Das trotz aller
widriger Umstände (ein Stativ hätte der Wind wohl umgeworfen)
doch noch ein schönes Bild entstanden ist, macht mich ein klein wenig stolz.

Was macht für Dich ein gelungenes Bild aus?
Ein Foto muss bei mir Emotionen auslösen. Das können positive wie negative sein. Von Erstaunen über Trauer bis hin zu Freude. Es muss nicht unbedingt ein großes, überwältigendes Gefühl sein, das ein Ansel Adams auslöst, wenn ich seine Landschaften betrachten. Es kann auch einfach ein freundliches Lächeln einer jungen Frau auf einer Wiese sein. Ob dabei fotografische Regeln eingehalten werden oder nicht finde ich nebensächlich. Regeln können einem dabei helfen, ein Foto besser zu machen. Ich würde sie eher als Leitlinien bezeichnen.
Und die großen Fotografen der Geschichten haben sie eh nur an ihre eigenen Regeln gehalten.

Wieso hast Du dich für Nikon und nicht für Canon entschieden?
Das war eine rein emotionale Entscheidung. Ich habe einfach eine Nikon in die Hand genommen und ausprobiert. Und dann eine Canon. Irgendwie fühlte sich die Nikon besser an. Außerdem gefiel mir die Marke besser.

Welcher Gegenstand Deiner Ausrüstung ist der wichtigste (abgesehen von der Kamera)?
Ich würde jetzt ja sagen “meine 50mm 1.8 Festbrennweite” aber steht ja eh schon in jedem Fotografie-Blog… Joe McNally beantwortet die Frage in diesem Video:

Und ich muss ihm Recht geben. Die richtige persönliche Einstellung ist das wichtigste für einen Fotografen. Naja, und meine 50mm 1.8 Festbrennweite…

Was würdest Du jemandem mit auf den Weg geben, der anfängt, sich mit Digitaler Fotografie zu beschäftigen?
Schmeiß nicht Dein ganzes Geld für Ausrüstung aus dem Fenster. Klar, wenn man so technikverliebt ist wie ich, freut man sich über viel neues Spielzeug. Aber dadurch werden Deine Bilder nicht besser. Wichtig ist es, seine Zeit und sein Geld vernünftig auf drei Dinge zu verteilen:
1. Das Equipment. Man braucht eine Kamera, ein paar Objektive, hier ein Spielzeug, da ein Spielzeug. Manche Dinge kann man nur mit einem speziellen Ausrüstungsgegenstand anstellen, z.B. Makrofotografie.
2. Weiterbildung. Natürlich bringt es nichts, den ganzen Tag tolle Bücher zu lesen oder in irgendwelchen Workshops zu verbringen. Aber die Fülle an Anregungen kann einen inspirieren und vor allem Wege aufzeichnen, Bildideen zu realisieren. Meine Empfehlung sind die Bücher von Scott Kelby und Joe McNally. Kauft Euch aber keine Zeitschriften, die nur aus Produktvergleichen und Werbung bestehen. Die bringen Dich fotografisch keinen Schritt weiter. Es sollte mehr um die Kunst als um die Ausrüstung gehen.
3. Fotografieren, Fotografieren, Fotografieren. Wer sich nur mit Ausrüstung und Büchern beschäftigt wird kein besserer Fotograf. Das stundenlange, ausdauernde Fotografieren, das Bildersichten, das Scheitern, das erneute Versuchen, das Ausprobieren neuer Dinge, das Experimentieren in der Nachbearbeitung; das sind die Dinge, die einen besseren Fotografen aus Dir zu machen.
Nicht zu vergessen ist ein Punkt, der dank Internet viel einfacher geworden ist: Rede mit den Leuten. Stelle Deine Bilder online, hol Dir Kritiken, manchmal auch harte. Lass Deine Bilder von anderen auseinandernehmen. Lerne daraus. Aber ignoriere die anderen auch einfach mal und zieh Dein Ding durch.

Wie kann ein Anfänger seine Fotografie verbessern?
Ein Foto entsteht zuerst im Kopf. Das fotografische Sehen muss ein guter Fotograf drauf haben. Und das geht ganz ohne Kamera. Dazu gibt es eine schöne Übung:
Nämlich mal bewusst nicht zu fotografieren. Einfach ohne Kamera einen Fotospaziergang machen. Die Landschaft intensiv betrachten und sich Gedanken darüber machen, wie man daraus ein schönes Foto machen könnte. Welchen Ausschnitt würde ich wählen, wie will ich die Schärfe haben, was soll das Bild aussagen? Danach überlegen, wie das technisch umzusetzen ist. Welche Blende, welche Belichtungszeit, welches Objektiv, brauche ich ein Stativ? Dann nach Hause, eine Nacht drüber schlafen und am nächsten Tag mit der Kamera losziehen und versuchen, die Ideen umzusetzen. Vorm Rechner vergleichen, wie man sich das Bild vorgestellt hatte, sich überlegen, was man anders hätte machen können.
Wichtig bei der Übung ist, dass man nicht wie ein Irrer tausende Fotos macht (auch als Spray & Pray bezeichnet) sondern sich ganz bewusst auf die wenigen Bilder konzentriert, die man sich am Vortag überlegt hatte.

Welchen Satz möchtest Du zum Schluss loswerden?
Geht endlich raus vor die Tür und macht Fotos!

….. Ende Interview

0 Antworten
  1. Joe2712
    Joe2712 says:

    Vielen Dank für das Interview auch nochmal von mir. Das mit dem 50mm Objektiv sehe ich genau so. Noch wichtiger ist mir allerdings der Batteriegriff an meiner DSLR. Ohne den fühlt sich meine Kamera irgendwie nackt an…

    Antworten

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  1. […] Esser von einpraegsam.de war so nett, ein Interview mit mir zu führen. Ich erzähle ein wenig über meine Anfänge mit der […]

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