Bildbearbeitung und Ethik

Nachdem es diese Woche ziemlich still hier auf einpraegsam.de war, heute nun endlich den Beitrag, den ich schon länger schreiben wollte. Bitte seht es mir nach, dass in den nächsten Tagen noch etwas Ruhe hier weilen wird, ich habe momentan ziemlich viel zu tun. Gern würde ich auch wieder auf denn einen oder anderen Gastautoren zurückgreifen, wenn also jemand Interesse und Spaß daran hätte, ich würde mich freuen. Aber nun zum Thema…

Bei meinen Workshops kommt immer wieder mal die Frage auf: “Wie weit darf man bei der Bildbearbeitung gehen?”. Diese Fragen werden vor allem nach der Einführungsveranstaltung gestellt, immer dann, wenn ich einen kleinen Rundumschlag durch die Bildbearbeitung gezeigt habe und dann mit der eigentlichen Schulung beginne. Diese Frage stelle ich mir aber auch regelmäßig selbst, vor allem dann, wenn ich Portraitfotos bearbeite.

Gibt es überhaupt eine Ethik in der Bildbearbeitung?

Für mich persönlich gibt es da ein ganz klares “Jein”. Es kommt meiner Meinung auf die Situation an. Retouche und Bearbeitung von Personen ist hier sicher ein ganz großes Thema. Geht es um Portraitfotos von “normalen” Personen, dann ist mein Standpunkt recht klar, ich versuche die betreffenden Personen so natürlich wie möglich darzustellen, d.H. es werden sicher schon mal das eine oder andere kleine Fältchen retouchiert, eventuell Glanzstellen entfernt, Licht und Schatten angepasst. Alles in engen Grenzen, die Person sollte meiner Meinung nach auf dem Bild nicht völlig anders aussehen als in Wirklichkeit.

Ein anderer Fall ist eine Auftragsarbeit mit einem Model. Hier sind die Grenzen meiner Meinung nach weiter gesteckt. Hier geht es in der Regel nicht um die Person selbst, sondern es geht darum, ein gewisses Produkt oder eine gewisse Marke besonders rüber zu bringen. Die Models werden dafür angeheuert und natürlich in der Regel auch in irgend einer Form entlohnt. Hier werden die Grenzen meiner Meinung nach nur durch den Auftraggeber gesetzt.

Abseits von Portraitfotos ist die Ethik meiner Meinung nach noch viel wichtiger. Retouche und Bildverfälschung gibt es schon, seit es die Fotografie gibt. Eine der bekanntesten Bildfälschungen, das Bild der Rotarmisten, die auf dem Brandenburger Tor die Fahne der Sowjetunion gehisst haben, ist schon lange vor der digitalen Fotografie und lange vor Photoshop entstanden.

Klar, die Retouche damals war nicht ganz so einfach wie heute, aber auch heute ist es nicht so einfach, wie viele es sich vielleicht vorstellen. Wenn ich mir so manche Fotos in Hochglanz-Magazinen anschaue, dann stehen mir die Haare zu Berge. Hier sind so oft grausame Retouchefehler zu sehen, das man sich manchmal fragt, wie dieses Foto durch die Abnahme gekommen ist.

Aber zurück zur Ethik. Für ist Retouche in solchen Fotos sicher auch OK, sie muss aber die Authentizität des Bildes beibehalten und darf auf keinen Fall die Story des Bildes verfälschen. Ich retouchiere natürlich auch immer mal wieder einen störenden Strommasten weg, entferne digital Graffiti von der Wand, aber immer nur dann, wenn die Aussage des Bildes nicht davon abhängt.

Wie haltet Ihr es mit diesem Thema? Gibt es für euch eine Ethik in der Bildbearbeitung? Oder bist du der Meinung, alles sollte erlabt sein? Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion.

0 Antworten
  1. Dieter
    Dieter says:

    Ich hab da so meine Probleme mit dem Wort “Ethik” bezüglich der Bildbearbeitung. Ethik hat ja wohl etwas mit Moral zu tun und was heute moralisch ist weiß ja auch keiner mehr so genau.
    Ich denke, dass es einfach Regeln gibt an die sich Profifotografen halten müssten und dann sollten auch in den Bildredaktionen gewisse moralische Kriterien gelten und nicht immer die wirtschaftlichen Belange in den Vordergrund gestellt werden. Aber wie das im realen Leben so ist spielen solche Dinge keine große Rolle mehr – leider.
    Als Hobbyfotograf, der seine Urlaubsbilder schießt oder auf fotografische Erkundungstour geht sehe ich dieses Thema sehr entspannt und retuschiere hin und wieder auch mal “störende” Dinge aus meinen Bildern.

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  2. Rob
    Rob says:

    Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es um die Frage ob auf glanzvollen Mode Bildchen, die augenscheinlich so perfekten Mode Püppchen ohnen jeglichen Makel strahlen sollen? Nun ja, ich würde sagen etwas mehr Realität könnte nicht schaden.

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  3. Alexander Spanke
    Alexander Spanke says:

    Die Bildbearbeitung und der Grad dieser sollte im Prinzip nur von einem einzigen Aspekt abhängig sein – der Bildaussage – wenn es meine Aussage ist, das zuvor fotografierte Auto als Boot darzustellen, ist die Bearbeitung entsprechend aufwendiger, als wenn ich ein natürliches Portrait eine jungen Frau in einem Kornfeld vor mir habe und die Bildaussage hier die natürliche Schönheit der Person ist.

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  4. Dirk
    Dirk says:

    Es kommt m. E. ganz auf den Verwendungszweck an: An ein Pressefoto, das dem Betrachter ein tatsächliches Geschehen zeigen soll, stelle ich andere Ansprüche als an eine Aufnahme, die in rein künstlerischer Absicht gemacht wurde. Wenn ich die Zeitung lese, erwarte ich ja auch, dass ihr Inhalt – so weit von den Kollegen prüfbar – der Wahrheit entspricht, während ein Roman (wenn der Autor nicht das Gegenteil behauptet) gern aus reiner Fiktion bestehen darf.

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