
Vor zwei Wochen bin ich durch eine Anfrage auf die EOS 60D aufmerksam gemacht worden. Die Frage stand im Raum: “Welche Kamera soll ich kaufen, die EOS 550D oder doch die EOS 60D ?”.
Ich hatte mich bis dahin schon länger nicht mit dem Funktionsumfang der neuen Canon-Kameras beschäftigt, habe mich dann also erst einmal belesen müssen. So rein aus demm Bauch heraus hätte ich aber erst einmal zur 60D geraten, da ich beim Vorgänger, meiner alten 40D ja sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Der Abstand der 3stelligen Kameras zu den 2stelligen war bis vor einem Jahr ja schon den höheren Preis wert. Das einzige Feature der 60D, von dem ich bisher gehört hatte, war das schwenkbare Display. “Guck mal, Canon lernt doch noch dazu.” dachte ich mir.
Nachdem ich aber die Daten der 60D angeschaut hatte, war ich ziemlich ratlos. Wenn ich die Daten ohne die dazugehörige Kamerabezeichnung gesehen hätte, hätte ich unbedingt auf eine 3stellige EOS getippt.
- kein Magnesium-Gehäuse
- kein Multi-Blitz-Support
- weniger Bilder/Sekunde als bei der 50D
- kein Anschluss für eine externen Blitz per Kabel
- keine Feineinstellung für den Autofokus
- nur eine Benutzereinstellung möglich
Ich muss sagen, die 550D ist der 60D fast ebenbürtig. Die wenigen Vorteile, die die 60D ja doch noch hat, rechtfertigen meiner Meinung nach nicht den höheren Preis der 60D. Ich frage mich also:
“Wohin geht Deine Reise, Canon?”
Werden die 2stelligen EOS-Kameras jetzt auf das Niveau der 3stelligen gesenkt? Das soll auch niemand falsch verstehen, die 3stelligen EOS-Kameras sind tolle Geräte und sind ein super Einstieg in die DSLR-Klasse, die 2stelligen Kameras waren bisher aber immer schon die gehobenere DSLR-Klasse it einigen Vorteilen gegenüber den Einsteiger-Kameras.
Ich war schon erstaunt, als Canon die ersten 4stelligen raus gebracht hatte, habe dies aber als “Abschöpfen am unteren Rand” abgetan. Dann kam die 7D, eigentlich ein Anwärter auf einen Volformt-Sensor, der kam dann doch nicht. Die 7D hatte allerdings viele neue Funktionen (19 Kreuzsensoren, …), die sie oberhalb der 2stelligen ansiedelten.
Warum also dieser Schritt? Liegt es vielleicht daran, dass die DSLR-Hersteller sich mittlerweile selbst so unter Zeitdruck setzen, dass die Qualität und die Inovation darunter leidet? Immerhin kommen die neuen Modelle ja mittlerweile fast im Monats-Abstand.
Zur Photokina schrieb Joe McNally per Twitter einen Satz, der mir zu denken gab. Sinngemäß sagte er: ‘immer und überall neue Kamera-Modelle. Liebe Hersteller, baut bitte einfach mal 2 Jahre lang keine neuen Geräte.’
Wenn dieser Wunsch war werden würde, hätten die Hersteller vielleicht mal wieder Zeit, über wirkliche Innovationen in der digitale Fotografie nachzudenken. Brauchen wir unbedingt immer mehr Megapixel? Wäre es nicht an der Zeit, über intelligentere Rauschunterdrückung nachzudenken, über intelligentere Bildstabilisation direkt in der Kamera oder über kamerainterne Objektivkorrekturen oder Ähnliches? Oder geht es einfach nur darum, in kurzer Zeit, so viele Kameras wie möglich auf den Markt zu hauen, auch auf die Gefahr hin, dass man sich damit selbst das Wasser abgräbt? Fehlende Innovation war schon seit Anbeginn der Menscheit der Anfang vom Untergang.
Canon, Nikon, Sony – Umdenken ist angesagt
Es ist keine Innovation, wenn man einen Rückschritt wie den fehlenden Magnesium-Body als “tolle Gewichtsersparniss” verkaufen will. Der Kunde ist nicht so dumm, wie manche Werbestrategen denken. Auch das schwenkbare Display ist keine Innovation, das gibt es bei kleineren Kameras schon lange. Bei den kleineren Kameras gäbe es noch viele solcher Vorteile abzuschauen, leider geht das Lernen bei den gestandenen DSLR-Herstellern immer sehr zähflüssig vonstatten. Ich hoffe aber auch mal wieder auf eine wirkliche Innovation, etwas neues auf dem DSLR-Markt, das nicht nur von den kleineren abgeschaut wurde.
Dafür ist aber wohl momentan keine Zeit, die nächsten Modelle warten schon auf die Veröffentlichung, sicher wieder mit mehr Megapixeln.
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