Im ersten Teil der Reihe Fototechniken ging es um das eher winterliche Thema Langzeitbelichtungen. Der Winter ist nun vorüber, hoffe ich. Nun geht es also an ein eher für das Frühjahr geeignete Thema, die Makrofotografie. Aber nicht nur im Frühling lassen sich interessante “kleine Dinge ganz groß” ablichten. Das Frühjahr bietet nur die meiste Abwechslung der Farben.
Was ist Makrofotografie?
Makrofotografie ist ein Bereich der Fotografie, bei dem bestimmte Objekte bis zu einem Abbildungsmaßstab von 1:1 abgebildet wird. Dazu wird ein spezielles Makroobjektiv oder ein anderes Hilfsmittel benötigt, da die meisten “normalen” Objektive ein Abbildungsmaßstab von 1:3-1:10 haben.
Was sagt dieser Abbildungsmaßstab überhaupt aus?
Ein Beispiel: Ein 1-Cent-Stück wird mit einem normalen Objektiv fotografiert. Das 1-Cent-Stück hat einen Durchmesser von 1,6 cm. Mit dem normalen Objektiv (Hier als Beispiel mein Sigma 18-200mm) muss ich mit dem Objektiv-Ende mindestens 20 cm vom 1-Cent-Stück weg sein, damit ich noch scharf stellen kann. Das 1-Cent-Stück nimmt auf dem Sensor eine um den Abbildungsmaßstab verkleinerte Größe ein. Hat mein Objektiv einen Abbildungsmaßstab wie hier im Beispiel von 1:3, so nimmt die 1-Cent-Münze auf dem Sensor einen Durchmesser von 0,53 cm ein. Bei der Sensorgröße von 14,9mm * 22,3 mm bekomme ich das Cent-Stück also nicht Formatfüllend auf den Sensor.
Mit einem Makro-Objektiv, welches eine 1:1 Darstellung ermöglicht, wird die 1-Cent-Münze also in voller Größe auf dem Sensor abgebildet. Man kann also viel mehr Details erkennen.
Ein tolles Stilmittel ist vor allem auch der ziemlich kurze Schärfentiefenbereich bei Makroaufnahmen. Der Bereich im Bild, der scharf ist, ist bei einer Makroaufnahme ziemlich gering. Bei der Blüte hier im Bild ist das Insekt in der Blüte Scharf, die Blüte selbst ist im Vordergrund und im Hintergrund schon wieder unscharf. Mit diesem Stilmitteln kann man wunderbar spielen und tolle Ergebnisse erzielen.
Welche Ausrüstung benötige ich für die Makrofotografie?
Die Ausrüstungsgegenstände sind denen der Langzeitbelichtung ziemlich ähnlich. Wichtig wäre (nach dem Objektiv) vor allem das Stativ. Da die Schärfentiefe in der Makrofotografie ziemlich gering ist, sie beträgt manchmal nur wenige Millimeter, ist ein Stativ unbedingt angebracht, damit der Schärfepunkt wirklich an der Stelle bleibt, den wir anvisiert haben.
Zusätzlich wäre wieder ein Fernauslöser (Drahtgebunden oder Kabellos) anzuraten, da jeder Druck auf den Auslöser eine kleine Bewegung der Kamera mit sich bringt und diese Bewegung wiederum zur Veränderung des Schärfepunkts führen kann.
Zum Objektiv – hier habe ich persönlich sehr gute Erfahrungen mit dem 90mm F2.8 von Tamron gemacht. Es bietet einen Abbildungsmaßstab bis 1:1 und macht knackscharfe Fotos.
Wer das Geld für ein solches Makro-Objektiv (das Tamron ist auch ein geniales Portrait-Objektiv) ausgeben kann oder möchte, für den gibt es auch eine günstigere Lösung. Mit Hilfe eines sogenannten Retro-Adapters ist es möglich, aus dem ganz einfachen Kit-Objektiv 18-55mm ein richtig gutes Makro-Objektiv zu machen. Dazu wird das Objektiv verkehrt herum auf die Kamera geschraubt. Es gibt dazu mehrere Möglichkeiten, eine DoItYourself-Bauanleitung ist hier zu finden, wer basterlisch nicht so gut ist, kann einen Retro-Adapter auch kaufen (link).
Was muss ich bei der Makrofotografie beachten?
Der Optimale Aufbau wäre ein festes Objekt, eine feste Kamera (auf dem Stativ), einen Fernauslöser, die Kamera auf Blendenvorwahl eingestellt, mit einer mittleren Blende (8-15) und Spiegelvorauslösung. Den Schärfepunkt kann man bei den moderneren Kameras am Besten mit dem Life-View-Modus einstellen, oder die Kamera automatisch fokussieren lassen. Nun braucht man nur noch auslösen.
Ist der Schärfentiefenbereich zu gering, gibt es zwei Möglichkeiten. Erste Möglichkeit, eine kleinere Blende nutzen, oder mehrere Fotos mit verschiedenen Schärfeebenen schießen, und in Photoshop (ab CS4) zusammensetzen lassen.
Ansonsten gibt es nur eins zu beachten, Spaß haben und lernen. ![]()



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