10 Fragen an Olaf Bathke

Olaf Bathke arbeitet als Hochzeitsfotograf
in Hamburg
und Kiel. Seine ehrliche,
kreative und lebendigen Art Menschen
zu fotografieren ist ein Standbein
seines Fotogeschäftes.
Ein weiteres Standbein ist die Landschafts-
bzw. Reisefotografie.
Seine Landschaftsfotos sind bereits
in zahlreichen Print Magazinen
veröffentlicht worden. Über
das Leben und Abenteuer als Fotograf
unterhält er im ältesten deutschsprachigen Blog
mit dem Schwerpunkt Fotografie.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Als kleiner Junge bekam ich eine Kodak Instamatic geschenkt. Die Kamera war der Einstieg in die Welt der Fotografie. In meiner Kinderstube, der Wilstermarsch, gab es große weiten Landstriche und zahlreiche Kühe, die ich hinreichend ablichtete. Mein Einstieg in die professionelle Fotografie war von vorneherein digital. Meine erste Kamera mit der ich Geld verdient habe, war die Canon 300D.

Du hast vor einiger Zeit das Twitter-Verzeichnis für Fotografen ins Leben gerufen, wie denkst Du heute über Twitter?
Twitter ist eine Kommunikationsplattform, die ich gerne nutze. Mir liegt die knappe und offene Art, Informationen loszuwerden bzw. aufzunehmen. Twitter ist für mich eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Kommunikationsmitteln. Den vollen Zauber entfaltet Twitter, seit ich es in Verbindung mit dem iPhone nutze. Da es ja vor allen Dingen mein eigenes Netzwerk ist, das Twitter ausmacht, kann ich von diesem Netzwerk behaupten, dass ich es einfach klasse finde. Das liegt natürlich zu einem großen Teil an den Fotografen des Twitter Verzeichnisses. Unter diesen Personen wird auf hohem Niveau kommuniziert, da passiert eine Menge. Auch von anderen Fotografen weiß ich, dass sie total begeistert sind von den Kontakten, die sich aus dem Verzeichnis ergeben haben. Mir kam letztens sogar zu Ohren, dass da zwischen zwei Partizipanten heftig geflirtet wurde. Mal sehen wann es die erste Hochzeit gibt, die sich aus den Kontakten des Verzeichnisses ergibt. ;-)

Nutzt Du Twitter heute noch genau so aktiv, wie vor einem halben Jahr?
Tendenziell nutze ich Twitter heute effektiver als noch vor einem Jahr. Ich erspare mir allzu belanglose Tweets. Auch lese ich intensiver, obwohl in meiner Timeline mehr los ist. Die Suchfunktion nutze ich um gezielt bestimmte Themen zu scannen. Ich habe in Tweetdeck zB. immer den Suchbegriff „Fotografie“ aktiv und darüber schon tolle Informationen gefunden und nette Leute kennengelernt.

Nun zu Deiner Arbeit, woher nimmst Du Deine Inspirationen z.B. beim Fotografieren einer Hochzeit?
Der Kategorie von Fotografen, die sich bei anderen Fotografen etwas abgucken oder gar Bildideen klauen, gehöre ich nicht an. Andere Fotografien oder manchmal auch Malereien betrachte ich eher unter dem Gesichtspunkt, wie ein Fotograf wohl vorgegangen ist, was ihn bewegt haben könnte, dieses eine Foto zu machen. Dabei stelle ich mir immer die Frage, warum spricht mich so ein Vorgehen an bzw. auch nicht an. So lerne ich eine Menge über die Fotografie. Inspiration bekomme ich draußen in der Natur oder im direkten Kontakt mit einem Kunden. In einem Kundenkontakt gehe ich grundsätzlich nur mit einem inneren, unbeschriebenen Blatt Papier, dass ich dann gemeinsam mit dem Kunden fülle. Ich mag diese Spannung, die sich durch so eine Ergebnisoffenheit ergibt. Solche Spannung gestaltet sich bei mir leicht zu tollen Bildideen. Meine eigenen Ideen versuche ich immer in einem Prozess mit meinen Kunden entstehen zu lassen. Da habe ich eine eigene Art, Gespräche zu gestalten und Vertrauen herzustellen, damit dies auch gelingt. Vertrauen ist hier sicherlich der wichtigste Eckpfeiler für dieses kreative Vorgehen. Abenteuerlust wäre ein zweiter Eckpfeiler. Für kreative Prozesse ist es wichtig, dass es mir gut geht und ich immer das mache, wonach mir gerade ist. Das ist auch der Grund, warum ich in der Fotografie häufig NEIN sage.

Nach meinen Erfahrungen ist es fast unmöglich eine Hochzeit ohne einen Assistenten zu fotografieren. Wie ist das bei Dir? Fotografierst Du allein, oder hast Du Hilfe?
Ich arbeite auf einer sehr persönlichen Ebene, da würde ein Assistent schnell stören. Meine Ausrüstung trage ich selber, das hält fit. Manchmal würde ich mir allerdings schon einen Rucksackträger wünschen. ;-)

Natürlich gibt es Projekte, wo ich einen Assistenten benötige. Dann habe ich eigentlich immer Pech einen der wenigen ernsthaften Bewerber aus den letzten Monaten zu akquirieren. Die haben dann meistens keine Zeit oder Lust. Letztendlich geht es dann meistens auch ohne.

Hast Du ein Hochzeitsshooting, an das Du Dich ganz besonders gern erinnerst?
Oh, ich befürchtete schon die Frage nach meinem Lieblingslied. Diese Frage kann ich leider nicht zufriedenstellend beantworten. Jede Hochzeit ist besonders und individuell. Ich könnte einen ganzen Tag von schönen Erinnerungen referieren, wenn es denn der Kundenschutz nicht verbieten würde.

Du betreibst einen Blog, welche Rolle spielt das Internet heute im Bereich der professionellen Fotografie für Dich?
Onlinemarketing mag ich. Internet ist aber nicht alles für den persönlichen Erfolg als Fotograf. Den größten Teil meiner Aufträge generiere ich durch zufriedene Kunden und durch persönliche Kontakte. Ich bin eher ein Fotograf, der weiterempfohlen wird.

Warum lohnt es sich, regelmäßig zu bloggen?
Das mit dem Bloggen ist so eine Sache. Bloggen ist für mich eher ein Hobby. Ich höre mich gerne reden und stehe gerne auf einer Bühne. Das war schon so, als ich noch klein war. Bloggen ist also zunächst einmal gut für mein Ego.

Natürlich habe ich meine Popularität im Internet zum größten Teil dem Blog zu verdanken. Man kann mich sonst kaum irgendwo im Netz finden.

Um ein gleiches Maß an Popularität aus Printmedien zu generieren, bedürfte es von meiner Seite aus mehr Anstrengungen, als ich sie beim Bloggen aufwende. Die Bedeutung von Printmedien für eine Popularitätsgewinnung in der Zukunft schätze ich aber nach wie vor groß ein. Auch wenn wir in den nächsten Jahren mit einem weiteren Zeitungssterben konfrontiert werden. Problematisch kommt hinzu, dass die Zusammenarbeit mit Printmedien nicht immer erfreulich ist. Da kann man die dollsten Sachen erleben. Bei der Veröffentlichung von einem Artikel in einer Motorradreisezeitschrift musste ich mal feststellen, dass die Redaktion alle Hinweise auf meine Homepage löschte, die ich in den Artikel eingepflegt hatte. Das ging sogar so weit, dass sie den Schriftzug der Internetadresse auf meinem Motorradtank in Photoshop wegstempelten. Auch was die Bezahlung durch Printmedien angeht, so ist eine Zusammenarbeit nicht immer erfreulich. Da kann es schon mal vorkommen, dass man sein Geld mit einem Anwalt eintreiben muss. Und wenn ich mir die Honorarangebote einzelner Zeitungen ansehe, so frage ich mich, wer davon wirklich ernsthaft ein Leben bestreiten, geschweige denn eine Familie ernähren könnte. Eine große Tageszeitung mit wenigen Buchstaben bot mir mal 100,-€ für einen Fototermin mit dem Bruder eines Magiers an. Ein Boulevardblatt offerierte mir 150,-€ für einen langen Fototermin mit Estefania. Das ist eine viel zu geringe Entschädigung für den inneren Widerstand, den ich bei so einem Job überwinden müsste. Aber ich schweife ab…

Man sollte die Bedeutung von Printmedien für die eigene Popularität auch nicht überbewerten. In der Neuzeit gibt es einige Beispiele, bei denen Menschen über das Bloggen an enormer Popularität gewonnen haben und plötzlich in Vodafon Werbspots auftauchten oder für Mercedes Werbung machten.

Was die Vermarktung meines Blogs durch das Schalten von Werbung angeht, so bin ich vorsichtig. Mein Blog steht für Authentizität, Kompetenz und Qualität. Diese Eigenschaften will ich mir nicht durch das kompromisslose Setzen von Affiliat- Links kaputt machen. Der Aufwand, einen Vertrag für ein Werbebanner aufzusetzen wird zudem noch lange nicht von den Geldbeträgen gedeckt, den Firmen bereit sind, in Blogwerbung zu investieren. Ich mag diese Schnäppchenmentalität nicht, die mir manchmal in solchen Verhandlungsgesprächen begegnet. Die Industrie nimmt die Welt der Blogs als Werbeplattform noch lange nicht so ernst, wie sie es eigentlich müsste. Da verschlafen Verantwortliche Ihre Zukunft.

Eine andere wirklich sehr lohnenswerte Nebenwirkung des Bloggens ist das Kontakte knüpfen zu anderen namhaften Fotografen oder wichtigen Personen aus anderen Bereichen. Über das Bloggen bekommt man einen direkten Draht zu seinen Lesern. Über meinen Blog habe ich schon eine Menge interessanter Fotografen kennen gelernt. Solche Kontakte sind eine Menge wert, weil Sie es ermöglichen an Informationen zu gelangen, die sonst in weiter Ferne wären.

Was das Bloggen angeht, so werde ich Euch im nächsten Jahr mit etwas überraschen. Was es sein wird, dass ist noch geheim…

Du beschäftigst Dich auch mit Landschaftsfotografie, würdest Du uns eines Deiner Fotos vorstellen und ein wenig dazu sagen?
Landschaftsfotografie bzw. Reisefotografie ist für mich ein wichtiges Standbein in meinem Fotogeschäft. Landschaftsfotografie stillt aber auch meine Abenteuerlust und meine fast schon krankhafte Neugierde auf die Welt da draußen. Auf Reisen kann man eine Menge toller Erlebnisse haben und Erfahrungen machen. Und letztendlich sind es diese Geschichten, die hinter den Fotos stehend, mich am meisten an der Fotografie faszinieren.

Nehmen wir mal einen spannenden Reisetag auf dem westlichen Island:

Beim Aufbau eines Nachtlagers in einem Fjell der Halbinsel Snaefellsnes auf Island lernte ich zwei 18 jährige Männer kennen. Die beiden Männer luden mich auf eine Motorboottour zu einer Vogelinsel auf dem Atlantik ein. Ich hatte lange nicht mehr so viel Angst gehabt, als wir in einem kleinen Zodiac über die hohen Atlantikwelle hüpften. Bei diesem Ausflug wurde mir deutlich, was es für Menschen bedeutet, dieser rauen Natur auf Island ausgesetzt zu sein. Die beiden brachten mir bei, wie man im Stehen in diesem Zodiac quasi über die Wellen surfen kann. Die Angst um einen weiteren Bandscheibenvorfall wandelte sich in ein Glücksgefühl. Wir stoppten an einer kleinen Dorschzuchtstation, bekamen nasse Füsse, versenken fast meine Fotoausrüstung und wurden auf der Vogelinsel von Möwen attackiert. Gegen Abend tourten wir dann noch mit einem Jeep die ca. 30%ige Steigung eines erloschenen Vulkans hoch und kamen auf einem ca. 5 Meter breiten Absatz am oberen Ende des Vulkans zum Stehen, unter uns ca. 100 Meter Steilwand. Die Jugendlichen hatten merklich Spaß daran, mir Angst einzujagen und mir in der Mitternachtssonne zu zeigen, wie sie der rauen Natur kraftstrotzend begegneten.

Ich bedankte mich mit einer fotografischen Herausforderung. Dieses Foto zeigt einen der junge Männer am Ende unserer mehrstündigen Tour, ein eher spontanes Foto, das ich mit dem jungen Mann inszenierte. Es ist eine 30 Sekundenaufnahme, die der junge Mann mit einem heftigen Zittern in den Knien tapfer durchgehalten hat. Der hat bestimmt heute noch Muskelkater… ;-)

Das sind Erlebnisse, die entstehen, wenn man alleine und offen durch die Weltgeschichte tourt. Das Reisen mit Familie ist da anders.

Das Reisen mit Familie ist anders!? Was meinst Du damit?
Die Geburt meines Sohnes war auf allen Ebenen ein einschneidendes Erlebnis. Damals hatte ich die Angst, dass man sich mit Kind keine Karriere als Landschafts- und Reisefotograf aufbauen kann. Heute weiß ich, dass das ein Irrtum war. Wenn eine Familie mitmacht, dann kann man auch als Landschafts- bzw. Reisefotograf tätig sein. Man muss nur bereit sein, auf gewisse Dinge zu verzichten. Solche irrwitzigen Touren, wie die eben beschriebene, sind natürlich mit einem kleinen Kind nicht denkbar. Wenn man aber bereit ist, Kompromisse einzugehen, dann ist die Gründung einer Familie eine tolle Chance, Altbekanntes neu zu entdecken und neue Erfahrungen zu machen.

Ich arbeite viel effektiver und organisiere mir möglichst viel Zeit für meine Familie. Familie ist mir wichtig und ich bin richtig froh, dass meine Familie bei der Landschaftsfotografie mitmacht. Ohne diese Bereitschaft könnte ich den Zweig Landschaftsfotografie dichtmachen. Durch die Anwesenheit meiner Frau und meines Sohnes erlebe ich viele Natureindrücke viel intensiver. Ist schon toll mit meiner Frau und meinem Sohn in duftender Atlantikluft, einem grandiosen Blick auf den Ocean, haltbares Knäckebrot zu frühstücken oder abends Lachsfilet am Lagerfeuer zu brutzeln.

Und um die Kurve zum Bloggen noch mal zu kriegen. Wenn ich auch nur einen Bruchteil von diesen tollen Erlebnissen in meinem Blog vermitteln kann und andere Menschen dazu motiviert bekomme, ihren eigenen Weg in der Fotografie zu gehen, ja, dann zaubert das ein breites Lächeln in mein Gesicht.

…. Ende Interview

Vielen Dank für das ausführliche Interview und die Anregungen, es hat mich sehr gefreut, dass Du für das Interview zur Verfügung gestanden hast.Nachdem die Diskussion im Interview vom Montag ziemlich heiß verlaufen ist, feue ich mich hier auch auf eine angeregte und sachliche Diskussion. Vielleicht hat der/die Eine oder Andere ja noch eine Frage an Olaf, dann immer raus damit.

0 Antworten
  1. Stefan
    Stefan says:

    Danke für das Interview. Ich habe lange nicht mehr so ein ausführliches und spannendes Interview gelesen. Olaf ist für mich eine echte Persönlichkeit unter den deutschen Fotografie-Bloggern und Fotografen allgemein.

    Antworten
  2. Markus
    Markus says:

    Finde es immer sehr interessant zu lesen wie jemand sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Fotografiere auch schon seit meiner Kindheit und werde mir bald ebenfalls eine EOS zulegen um mal “vernünftigere Fotos” machen zu können.

    Zum Profifotograf wird es bei mir nie reichen, auch wenn das ne schöne Vorstellung ist so sein Geld zu verdienen (vor allem wenn die Familie wie hier sogar mitspielt), aber gibt ja mittlerweile ne Menge Onlineplattformen auf denen man die Fotos verkaufen kann.

    Weiterhin viel Erfolg…

    LG
    Markus

    Antworten

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